Sollen Online-Journalisten die Nachrichten für Suchmaschinen optimieren statt für den Leser? Besucher um den Preis guten Schreibstils? Marcus diskutiert das Thema mit eindeutiger Tendenz; er wünscht mehr Entgegenkommen in dieser Hinsicht von den Journalisten. Sein Kollege Thomas geht einen Schritt weiter und fordert sogar recht robust, Journalisten sollten optimiertes Kraftfutter für Suchmaschinen liefern.
Via Medienrauschen bin ich auf die Meldung auf Web.de aufmerksam geworden: Erste Fotos der Zwillinge von “Brangelina” als Überschrift, ohne die Bilder zeigen zu können. Das ist Journalismus für die Suchmaschine in verschärfter Form. Sagen wir einmal … Web.de hat keinen journalistischen Ruf zu verlieren. Eine seriöse Tageszeitung beispielsweise schon.
Natürlich gibt es eine breite Grauzone. Ein Wort hie und da geändert kann Besucher bringen. Nachhaltig ist es allerdings nicht. Dauerhafte Besucher kann man auf diese Weise nicht gewinnen. Viel wichtiger ist im Online-Journalismus die Einmaligkeit von Inhalten. Journalisten sollten sich meiner Ansicht nach darauf konzentrieren und nicht mit der Umformulierung von Titeln über DPA-Meldungen beschäftigen (müssen).
Wenn die Verleger einen höheren Besucheranteil über die Suchmaschinen generieren möchten, dann sollten die effektivsten Stellschrauben zuerst angezogen werden und diese liegen nicht im redaktionellen Teil, sondern im technischen Bereich. Saubere URLs, eine optimierte interne Linkstruktur (für die Suchmaschinenbots) sowie Anpassungen am Quelltext sollten noch vor allen anderen Maßnahmen stehen. Wird das Portal noch geschickt mit eingehenden Links gestärkt, steht dem Erfolg ohne Eingriff in den Redaktionsbetrieb nichts mehr im Wege.
