Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, der muss mit kontroversen Diskussionen und Kritik unter der Gürtellinie leben. Anti-Sites, Hass-Seiten im Web sind keine Neuigkeit und wahrscheinlich fast genau so häufig anzutreffen wie digitale Fan-Bekundungen. Meist ist die Kritik anonym, die Websites erwecken keinen seriösen Eindruck.
Die Kampagnenwebsite mit der überdeutlichen Botschaft “Glenn Tilton Must Go” (http://www.glenntilton.com – inzwischen offline) ist daher ein absolutes Novum. Wer hier den Boss der US-Fluggesellschaft United Airlines recht robust zum Rücktritt auffordert, ist die Pilotenvereinigung seines Unternehmens. Um das Bild rund zu machen, präsentiert sich die Kampagnenwebsite hochprofessionell in der Aufmachung und unter der Domain glenntilton.com.
Die Vereinigten Staaten sind weit, die dortige Justiz setzt die Meinungsfreiheit an die Grenzen des Horizont. In Europa, in Deutschland wäre so etwas unmöglich, hier würden die Gerichte einschreiten, zumindest was das Recht an der Domain angeht. Ich bin kein Jurist, muss auch gar nicht einschätzen ob meine gerade geäußerte Vermutung wirklich zutrifft, denn im Zweifel ließe sich eine derartige Kampagnen-Website auch für das deutsche Rechtssystem unerreichbar in ein “sicheres” Land auslagern. Schließlich kennt die Online-Welt keine Grenzen.
Es muss gar nicht China sein, wohin sich viele illegale Glückspiel-Seiten geflüchtet haben. Die USA genügen. Für ganz wenig Dollar lassen sich dort über Treuhänder Domains registrieren, der tatsächliche Inhaber bleibt – falls gewünscht – also völlig anonym. Momentan bin ich völlig überfragt, wie man auf eine solche Bashing-Kampagne reagieren könnte, zumal damit zu rechnen ist, dass andere Medien durch Berichterstattung eine entsprechende Seite erst bekannt machen würden.
Sehr schwierig, vor allem wenn die Vorwürfe auf Fakten beruhen. Ich könnte mir vorstellen, dass man als Gegenmaßnahme den betroffenen Manager als Menschen darstellt. Auch Fakten sind angreifbar, hier könnte man die Glaubwürdigkeit der Kampagnenseite in Zweifel ziehen. Ob die Gegenmaßnahmen greifen, hängt aber viel vom öffentlichen Meinungsbild über die Person ab.
Auf jedenfall wird es interessant zu beobachten, wie Glenn Tilton und seine Berater reagieren werden. Wieder etwas für das Lehrbuch.
